Detail-Ansicht

24.04.2019

«Die frühe Kindheit und das liebe Geld. Sind Investitionen in die frühe Kindheit gerechtfertigt, sinnvoll oder sogar notwendig?»

Das Kompetenznetzwerk Frühe Kindheit lädt zur nächsten Ringvorlesung der Reihe «Forschung und Praxis in der Frühen Kindheit» ein.
Mittwoch, 24. April 2019 | 18.30–20.00 Uhr | Pädagogische Hochschule Thurgau | P 102

Das Schwerpunktthema «Die frühe Kindheit und das liebe Geld. Sind Investitionen in die frühe Kindheit gerechtfertigt, sinnvoll oder sogar notwendig?» wird von Angelika Schöllhorn moderiert und beinhaltet zwei Beiträge:

(1) «Ein Landkreis, der in die Zukunft seiner Kinder und Familien investiert, ist auch ein guter Landkreis zum Leben und Arbeiten: Frühe Prävention aus kommunaler Perspektive»
Dass in der frühen Kindheit Weichen für die weitere Entwicklung gestellt werden, gilt wissenschaftlich inzwischen als gut belegt. Ökonomische Entscheidungen hinken dieser Einsicht jedoch oftmals hinterher. So ist es auf kommunaler Ebene immer wieder schwierig, frühe Gesundheitsförderung und Prävention ausreichend zu finanzieren. Werden diese Ausgaben jedoch als sinnvolle Investition und nicht primär als Kostenfaktor gesehen, ändert sich die Perspektive. Am Beispiel des Ortenaukreises (Offenburg, Baden-Württemberg, Deutschland) wird aufgezeigt, wie sich eine Kommune in diesem Bereich fachlich und ökonomisch innovativ aufstellen kann und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Mit den «Frühen Hilfen» und einem Präventionsnetzwerk wurde eine kommunale Präventionsstrategie etabliert, die sich von der Schwangerschaft bis zum 10. Lebensjahr erstreckt. Weitere Entwicklungsschritte sind vorgesehen.

  • Referent: Ullrich Böttinger, Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Leiter Amt für Soziale und Psychologische Dienste, Landratsamt Ortenaukreis

 

(2) «Frühkindliche Bildung und Betreuung aus ökonomischer Perspektive»
In der Ökonomie sind zwei Perspektiven auf die frühkindliche Bildung und Betreuung relevant. Zum einen gibt es die ältere familien- und arbeitsmarktökonomische Perspektive, die den Aspekt der Betreuung fokussiert, die Müttern und Vätern die Teilnahme am Erwerbsleben ermöglicht. Zum anderen gibt es die jüngere bildungsökonomische Perspektive, die den Bildungsaspekt der Betreuung in Krippen und Kindergärten im Blick hat. Dieser Vortrag gibt zunächst einen Überblick über die ökonomische Forschung zu beiden Gebieten und setzt dann einen besonderen Schwerpunkt auf die Frage, wie die Bildungsökonomik die Wirkungen frühkindlicher Bildung auf kognitive Fähigkeiten und sozio-emotionales Verhalten untersucht. Viele bildungsökonomische Studien zeigen, dass sich wichtige Fähigkeiten bereits früh im Lebensverlauf herausbilden, sich gegenseitig bedingen und die spätere Aneignung weiterer Fähigkeiten erleichtern. Der frühe Erwerb kognitiver Fähigkeiten sowie sozio-emotionaler Stabilität hat somit grossen Einfluss auf den späteren Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg.

  • Referentin: Dr. Larissa Zierow, wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, ifo Institut München