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28.04.2021 - Ringvorlesung der Reihe "Forschung und Praxis in der frühen Kindheit" zum Thema "Die Sicht auf das Kind in unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen"

03.05.2021

Unter dem Thema "Die Sicht auf das Kind in unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen" führten zwei in der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen erfahrene Referenten in die Pikler-Pädagogik und die Reggio-Pädagogik ein. Ausgehend von der Entstehungsgeschichte der beiden pädagogischen Ansätze vermittelten sie einen Einblick in das zugrunde liegende Menschenbild und die Haltung der Erwachsenen in der Begleitung der kindlichen Entwicklung. Ebenso wurde die praktische Umsetzung dieser Sicht auf das Kind anschaulich erläutert. Moderiert wurde die Ringvorlesung von Prof. Dr. Angelika Schöllhorn, Dozentin im Masterstudiengang Frühe Kindheit an der Pädagogischen Hochschule Thurgau.

Anna Breckner, Dipl. Sozialpädagogin und Pikler Dozentin, regte die Auseinandersetzung mit dem Thema zunächst durch einen Rückblick auf ihren eigenen Zugang und ihre ersten befreiend wirkenden Erfahrungen mit der Pikler-Pädagogik an. Im Folgenden spannte sie den Bogen von der Entstehungsgeschichte und den Meilensteinen des Wirkens von Emmi Pikler zur Sicht auf das Kind. Im Zentrum dieser Sicht steht die Selbsttätigkeit des Kindes, durch die es sich vor allem im Bereich der Bewegung und im Spiel frei entwickelt. Für die betreuenden Erwachsenen besteht die Aufgabe in einer achtsamen Begleitung dieser Entwicklungsprozesse, die Eigenaktivität des Kindes wird durch die Erwachsenen gespiegelt und durch die Vorbereitung des Raumes unterstützt. Ergänzt wird diese Begleitung durch die „beziehungsvolle Pflege“, die auf einem tiefen Respekt vor der Würde und der Kompetenz selbst der kleinsten Kinder beruht. Bilder und kurze Videoausschnitte veranschaulichten die Ausführungen eindrücklich.

Markus Bütler, Dozent an der PH Schwyz und seit vielen Jahren mit der Reggio-Pädagogik befasst, verdeutlichte zunächst, welche Errungenschaft städtische Kindertagesstätten in der Emilia Romagna, Italien, bedeuteten. Es entstand ein Bildungsprojekt der Stadt, das sich bis heute weiterentwickelt und auf einer Kultur des Lernens beruht, in der Kinder, Erwachsene sowie das soziale und kulturelle Umfeld die tragenden Rollen spielen. Der umgebende Raum wird konsequent als dritter Erzieher betrachtet. Ausgangspunkt der Reggio-Pädagogik ist ein Paradigmenwechsel im Rahmen der Reformpädagogik von der Defizitorientierung hin zur Kompetenzorientierung. Dieser Gedanke erstreckt sich sowohl auf die Kinder als Forscher und Gestalter als auch auf die Erzieherinnen als Wegbegleiterinnen, Forscherinnen und Zeuginnen und die kompetenten Eltern, die aktiv einbezogen werden. Lernen ist darin ein individueller Konstruktionsprozess, der durch soziale Interaktion geschieht.

Im abschliessenden Austausch zeigte sich, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden pädagogischen Ansätzen gibt. Die Betonung der Eigenaktivität des Kindes, der Respekt vor der kindlichen Entwicklung und dem kindlichen Lernen sowie die Haltung und Aufgaben der begleitenden Erwachsenen sind Beispiele hierfür. So ist es kein Zufall, dass die Reggio-Pädagogik sich auch auf die Erkenntnisse Emmi Piklers bezieht.


Download Präsentation: Reggio-Pädagogik – Reggio approach 28. April 2021 – Ringvorlesung PHTG Markus Bütler 

Download Präsentation: Dipl.Sozialpäd. Anna Breckner, Pikler®-Doz.

  1. "Die Pikler-Pädagogik und ihre Sicht auf das Kind“
  2. Quellen der Inspiration
  3. Literaturempfehlung

 

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