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Ringvorlesung Forschung und Praxis in der Frühen Kindheit

27.11.2019

«Zahlen begreifen – Wie uns unsere Finger dabei helfen, Zahlen zu verstehen»

Das Kompetenznetzwerk Frühe Kindheit lädt zur nächsten Ringvorlesung der Reihe «Forschung und Praxis in der Frühen Kindheit» ein.
Mittwoch, 27. November 2019 | 18.30–20.00 Uhr | Pädagogische Hochschule Thurgau | P 102

Das Schwerpunktthema «Zahlen begreifen – Wie uns unsere Finger dabei helfen, Zahlen zu verstehen» wird von Ursula Fischer moderiert und beinhaltet zwei Beiträge:

(1) «Warum benutzen wir zum Zählen und Rechnen unsere Finger?»
Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Fingern und der Verarbeitung von Zahlen lassen sich nicht nur durch die Beobachtung von Kindern während ihrer numerischen Entwicklung gewinnen. So zeigen sich zum Beispiel beim sogenannten «Gerstmann-Syndrom»-, spezifische Defizite bei der Verarbeitung von Zahlen und dem Erkennen einzelner Finger (Fingergnosis) nach Hirnschädigungen. Dieser erste Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Fingern und Zahlen auf neuronaler Ebene wird durch weitere Ergebnisse bildgebender Verfahren gestützt. Diese zeigen, dass beim Verarbeiten von Zahlen und fingermotorischen Aufgaben (z.B. zeigen, greifen etc.) überlappende Gehirnareale aktiviert sind. Theoretisch werden diese Ergebnisse dahingehend interpretiert, dass sich die Verarbeitung von Zahlen in menschheitsgeschichtlich ältere Areale der Fingersteuerung «eingeschlichen» hat und wir deshalb unsere Finger zum Zählen und Rechnen nutzen.

  • Referent: Prof. Dr. Korbinian Moeller, Professor für angewandte Lern- und Wissenspsychologie, Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen

(2) «Wie wir unsere Finger zum Zählen- und Rechnenlernen nutzen können»
Es gibt viele Möglichkeiten, wie Kinder ihre Finger zur Unterstützung des Erwerbs numerischer Fähigkeiten verwenden können. Sie können zum Beispiel mit ihren Fingern zählen, indem sie mit dem Zeigefinger auf Objekte zeigen, um das gerade Gezählte anzuzeigen und zu verfolgen, welche Objekte sie bereits gezählt haben. Darüber hinaus können Kinder mit ihren Fingern zählen, indem sie jedem Finger ein Zahlwort zuweisen. In diesem Beitrag werden zunächst aktuelle theoretische Modelle der frühen numerischen Entwicklung betrachtet, um daran aufzuzeigen, wie fingerbasierte numerische Strategien den Erwerb grundlegender numerischer Fähigkeiten unterstützen können, zum Beispiel das Zählen oder das Kardinalitätsprinzip. Anschliessend wird kurz ausgeführt, wie diese theoretischen Überlegungen in der Praxis umgesetzt werden können.

  • Referentin: Roberta Barrocas, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen

Das übergeordnete Ziel der Veranstaltungen besteht darin, die anwesenden Referierenden aus dem Kontext des Kompetenznetzwerks mit den Studierenden des Masterstudiengangs Frühe Kindheit in Austausch zu bringen. Interessierte Gäste sind herzlich eingeladen. Die Ringvorlesungen finden regelmässig jeweils am letzten Mittwoch der Monate Januar, April, Juni und November statt.

Übernächste Ringvorlesung:
Mittwoch, 29. Januar 2020, 18.30–20.00 Uhr, Universität Konstanz

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